Positionierung

Im Zusammenleben der Menschen wird die Rangordnung ebenso geregelt, wie in der Pferdeherde. Pferde haben ebenso wie Menschen die Fähigkeit, soziale Kompetenz anderer zu erkennen, nicht nur innerhalb der eigenen Art. Darauf zu achten, wer wen bewegt, verbessert die Beziehung zwischen Mensch und Pferd enorm und baut durch gute Führungsqualitäten Vertrauen auf. Soziale Hierarchie wird am besten nicht durch Gewalt geregelt, das führt nur zu Angst und Respektlosigkeit. Sondern sie wird erzeugt durch die Qualität, den anderen sicher zu führen.

Eine der wichtigsten Grundlagen für ein funktionierendes Zusammensein von Mensch und Pferd ist von vornherein die Klärung der Fragen:

„Wer führt wen?“ und „Wer wird geführt?“

Pferde sind in der Lage, nicht nur ihre innerspezifische Sprache zu verstehen, sondern haben gelernt, auch die Verhaltensweise von Menschen zu verstehen und zu deuten. Pferde bewegen uns, ohne nachdenken zu müssen. Das ist ein innerer Überlebensinstinkt, der aufgrund der sozialen Lebensweise der Pferde sehr ausgeprägt ist: Der, der bewegt, der führt auch!
Er trifft Entscheidungen und sichert somit das Überleben. Oft merken wir es nicht einmal, wenn wir von Pferden bewegt werden. Für das Pferd ist dann allerdings klar, wie hoch wir in unserem sozialen Status einzuschätzen sind.

Das man mit Gewalt viel erzwingen kann, ist bekannt, aber da möchten wir ja nicht hin. Es ist im Grunde sehr simpel darauf zu achten, das wir das Pferd bewegen und nicht das Pferd uns. Doch fällt uns genau das so schwer, weil wir ständig darüber nachdenken und uns darauf konzentrieren müssen …

„Führen“ bedeutet für ein Pferd also, sich nach demjenigen zu richten, der sagt, wann und wohin geflüchtet wird. Und als Mensch haben wir dabei eine „Führungsqualität“, die wir jeder noch so dominanten Leitstute voraus haben:  Wir wissen, dass es bei uns keine Raubtiere gibt! Und daher ergibt sich auch unser Anspruch, das Pferd zu führen.

Pferde sind Muskelleser!
Das Pferd ist in der Lage, jeden Gedanken, den wir gefasst haben, zu erkennen, noch bevor dieser Gedanken uns bewusst ist. Wir sind für Pferde ein offenes Buch, sie können alles über uns herauslesen. Auch Aussagen wie „Du darfst keine Angst haben“ oder „Du musst jeden Tag positiv abschließen“ sind blanker Unsinn. Es soll mir mal einer zeigen, wie er das schafft, jeden einzelnen Tag, an dem er etwas unternimmt, sei es mit dem Pferd, mit der Familie, im Beruf usw. mit einem positiven Erlebnis abschließt!  Es bringt auch nichts, in dem Moment, in dem wir Angst oder wenigstens gewaltigen Respekt vor einem Pferd haben, uns vor dieses Pferd zu stellen und zu sagen: „Ich habe keine Angst“ In dieser Hinsicht kann man den Pferden nichts vormachen, sie sind ehrlich in ihrer Wahrnehmung und ihrer Reaktion.