Skala der Ausbildung

Die Skala der Ausbildung zeigt den korrekten Ausbildungs- und Trainingsweg des Pferdes auf. Jede einzelne Trainingseinheit – egal ob geritten oder vom Boden aus – sollte nach den einzelnen Punkten erarbeitet werden …

Folgt man der Skala, so ergibt sich ein Punkt – zu gegebener Zeit – aus dem Vorhergehenden. Das Pferd behält auch bei schwierigeren Aufgaben seinen reinen Takt und die gesunde Haltung bei. Das macht diese Art des Trainings zu einer feinen und sehr sicheren Hilfe, um Probleme schon an der Wurzel anzupacken und zu korrigieren.

Die Skala der Ausbildung ist ein einflussreicher Teil der „deutschen Heeresdienstverordnung von 1912“ und gehört unter Anderem auch zum Ausbildungskonzept der iberischen Reitkunst. Gerade erfolgreiche Reiter wie Dr. Reiner Klimke haben nach diesen Grundlagen ausgebildet!

 

Takt Der Takt ist das räumliche und zeitliche Gleichmaß aller Schritte, Tritte und Sprünge. Ein Takt muss im Arbeitstempo, in der Verstärkung und in der Versammlung gegeben sein und auch erhalten bleiben. Bei einem taktkorrekten Pferd bleibt das Gleichmaß nicht nur auf einer geraden Linie, sondern auch in allen Wendungen und Übergängen erhalten.

Der Takt muss der jeweiligen Gangart entsprechen:
Der Schritt ist ein Viertakt, der Trab ein Zweitakt und das Galopp ein Dreitakt

Losgelassenheit Die Losgelassenheit beschreibt beim Reiten oder Fahren den Zustand, in dem ein Pferd mit schwingenden Rücken und nach vorne gedehntem Hals „vorwärts/abwärts“ läuft. Ohne Eile und mit natürlichen, taktmäßigen und entspannten Bewegungen. Das Pferd reagiert durchlässig auf die Hilfen des Reiters bzw. Fahrers.

Mit dem Begriff „tätige Losgelassenheit“ weist Waldemar Seunig auf den Unterschied zwischen „Zwanglosigkeit“ und Losgelassenheit hin und definiert letztere als „ein Produkt vertrauensvoller Zwanglosigkeit und durch Treiben erweckter Energie des Ganges“.
„Zwanglos geht das Pferd auch ohne noch auf den lang hingehaltenen Zügel getroffen zu sein, losgelassen aber erst dann wenn es, infolge der treibenden Hilfen sich streckend, diesen aufgesucht hat!“

Anlehnung Unter Anlehnung versteht man die Verbindung zwischen der Hinterhand, dem Pferderücken und der Reiter- bzw. Fahrerhand über den Zügel. Jedoch soll sich das Pferd nicht auf die Hand lehnen / stützen, vielmehr soll eine federnde, weiche und gleichmäßige Verbindung zustande kommen und das Pferd soll zufrieden auf dem Gebiss kaufen.

Das Pferd sucht die Anlehnung, der Reiter gestattet sie! Das gibt ihm die Möglichkeit, Gangart, Tempo, Haltung und Bewegungsrichtung zu bestimmen und zu regulieren. Die richtige Anlehnung gibt dem Pferd die nötige Sicherheit, sein natürliches Gleichgewicht unter dem Reiter wiederzufinden und sich im Takt der verschiedenen Gangarten auszubalancieren. Die Anlehnung ist die Grundlage, um weitere Lektionen korrekt reiten zu können!

Schwung Als Schwung bezeichnet man den energischen Impuls der Hinterhand, der auf die gesamte Vorwärtsbewegung des Pferdes übertragen wird. Ein Pferd geht schwungvoll, wenn es energisch abfußt und in der Schwebephase mit seinen Gliedmaßen gut nach vorne durchschwingt. Der Schwung ist im Gegensatz zum Schub nicht von Natur aus gegeben, sondern das Produkt der reiterlichen Ausbildung. Es kann so optimal gefördert werden …

Für Waldemar Seunig ist der Schwung „das Alpha und Omega jeder dressierenden Arbeit“. Er nennt ihn auch neben der Selbsthaltung, die auf Takt und Losgelassenheit basiert, einen der beiden „Grundsteine, auf denen jede Dressur sich aufbaut“. Dabei treten die Hinterbeine raumgreifender, elastischer und näher aneinander vorbei, wodurch es zu einer vermehrten Lastaufnahme kommt.

Geraderichten Geraderichten bedeutet, dass ein Pferd in Stellung und Biegung mit den Hinterhufen in der Spur der Vorderhufe tritt. Das Geraderichten hat nichts mit Geradeausreiten zu tun, sondern wird vor allem durch das beidseitige Reiten auf gebogenen Linien gefördert. Die natürliche Schiefe des Pferdes soll ausgeglichen werden, um einem vorzeitigen, einseitigen Verschleiß vorzubeugen. Im ungeschulten Zustand kann sich das Pferd auf zwei Hufschlägen besser ausbalancieren.

Das Geraderichten ist eine Voraussetzung für den Erhalt von Schwung und Reinheit des Ganges auch in den Seitengängen!

Versammlung Versammlung bedeutet, dass die Hinterhand des Pferdes vermehrt die Last des Reiter- und Pferdegewichts aufnimmt. Sie kommt durch ein Absenken der Kruppe und durch die Hankenbeugung bei gewölbten Rücken und durch das Zurücknehmen und Aufrichten des Pferdehalses.

Eine korrekte Versammlung erkennt man auch durch das geschmeidige Spiel der Rückenmuskeln, die Losgelassenheit und Durchlässigkeit. Die Energie des Schwunges, sowie die Haltung und die Aufmerksamkeit die auch als körperliche und seelische Ausführungsbereitschaft definiert werden.